Kleidung im Mittelalter

Menschen, die gerne auf Mittelalterfeste gehen und sich dort anpassen möchten, jene, die vielleicht bei einer Aufführung »stilgerecht« aussehen möchten und einfach alle, die sich gerne mittelalterlich geben möchten, stehen oft vor dem Problem, was sie anziehen sollen. Für diese Leute bieten wir hier ein wenig Anschauungsmaterial – diese Seite ist in keiner Weise wissenschaftlich gedacht oder allzu ernst zu nehmen.

Natürlich gibt es hervorragende Bücher darüber, wie die Menschen im Mittelalter gekleidet waren, aus welchen Materialien die Kleidung bestand und wie sie hergestellt wurde. Für alle, die sich wirklich ernsthaft damit beschäftigen, bietet sich so die Möglichkeit, sich auf hohem Niveau und mit einer gewissen Authentizität darzustellen und einzukleiden. Für Leute, die sich dermaßen ernsthaft damit beschäftigen, ist diese Seite höchstens zur Anregung gedacht. Sie seien auf die entsprechende Literatur verwiesen.

Besonders empfehlen möchte ich die im Karfunkel-Verlag erschienenen Bücher von Ulrich Lehnart:
Kleidung und Waffen der Früh- und Hochgotik, 1150-1320 (Wald-Michelbach, 1998/2001/2007/2013, Rezension)
Kleidung und Waffen der Spätgotik – Teil 1: 1320-1370 – Wald-Michelbach, 2000
Teil 2: 1370-1420 – Wald-Michelbach, 2003 – Teil 3: 1420-1480 – Wald-Michelbach, 2005

sowie:
Kania, Katrin; Kleidung im Mittelalter. Materialien – Konstruktion – Nähtechnik. Ein Handbuch – Köln u. a. 2010
Keupp, Jan: Mode im Mittelalter – Darmstadt 2011

vor 800

9./10. Jhdt.

12./13. Jhdt.

14./15. Jhdt.

Ein allgemeiner Hinweis:

Das berühmte A-Wort, das so viele Mittelaltergruppen am liebsten verbannt sehen möchten aus dem deutschen Sprachschatz, eine wie auch immer geartete Authentizität ist – wie auch in der Musik – so gut wie nicht erreichbar.

Das gilt natürlich besonders für die Zeit der Antike und des frühen Mittelalters – als Barde eines Keltenstammes weiß ich aus leidvoller Erfahrung, wovon ich rede; die Informationen über die Jahrhunderte vor und nach der Zeitenwende sind mehr als dürftig und oft widersprüchlich.

Besonders aber gilt es für die Zeit, die man herkömmlich als Mittelalter bezeichnet. Schon die Festlegung des Zeitraumes bereitet ja Probleme, er wird angesetzt von der Völkerwanderung im 4. Jahrhundert bis zum Ende des »Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation«  Anfang des 19. Jahrhunderts, umfaßt also im Extremfall also 1.400 Jahre. Nach meiner Auffassung ist es immer noch ca. ein Jahrtausend (476, Untergang des Weströmisches Reiches, bis ca. 1500, Reformation, Humanismus, Buchdruck, »Entdeckung« Amerikas etc.).

Schon aufgrund dieser enormen Zeitspanne ist es unmöglich, von »mittelalterlicher Gewandung« zu reden; auch wenn damals die Mode nicht so schnell wechselte wir bei uns, zumindest in den unteren Schichten, sollte man sich doch zumindest auf ein Jahrhundert festlegen.

Und natürlich auf eine Region – wie war denn »das Mittelalter« etwa 1250? Doch ganz unterschiedlich in Aachen, in Italien, in der Normandie, in Wales oder in Georgien (dahin ist z. B. Oswald von Wolkenstein gereist!). Hinzu kamen noch die enormen Einflüsse aus fernen Landen und anderen Religionen, etwa aus dem Orient durch die Kreuzzüge.

Allgemein von mittelalterlicher Gewandung zu reden ist ebenso unsinnig wie von mittelalterlicher Lebensart oder Kochkunst. Besonders im Bereich der Waffen, Instrumente und Kleidung gab es zudem eine enorme Vielfalt, aber oft auch rigide Vorschriften und Regeln.

Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten im »Mittelalter«, gibt es spezifische Eigenheiten, gibt es darüber auch jede Menge Erkenntnisse.

Dennoch haben wir von »Conventus Tandaradey« uns, wie viele andere Gruppen, entschlossen, eher die Vermittlung eines Lebensgefühls und der Atmosphäre in den Mittelpunkt zu stellen als eine niemals erreichbar Authentizität – auch wenn wir uns natürlich darum bemühen, im Rahmen unserer Möglichkeiten konsistent zu bleiben. Wer sich ähnlich entschließt, für den mögen die folgenden Hinweise nützlich sein.


Für jemanden, der mit der entsprechenden Lockerheit an die Sache herangeht, gibt es mehrere Möglichkeiten, sich angemessen einzukleiden.

Oft aber genügt es für den Anfang, den eigenen Kleiderschrank und den der Verwandschaft zu plündern – bevorzugt den der älteren Generation. Man dürfte sich wundern, was da alles zum Vorschein kommt, was bei entsprechender Drapierung oder Verzierung als antik oder mittelalterlich durchgehen kann; oft hilft es, die Kleidung einzufärben oder ein wenig anders als üblich anzuziehen.

Sehr nützlich sind Kleidungsstücke aus anderen Ländern – zu unseren bevorzugten Kostümen gehören alte Trachten aus Rumänien, Georgien und Ungarn, die schon vor Jahrhunderten so getragen wurden uind also »echt mittelalterlich sind«.

In vielen Städten gibt es die Möglichkeit, beim Theater im Fundus Kostüme zu erwerben oder zu ersteigern, und wenn man nur selten etwas braucht, sind vielleicht die Kostümausleihen behilflich, die mancherorts von Amateurtheatern oder deren Verbänden betrieben werden.

Wenn man nicht allzusehr auf’s Geld schaut, kann man natürlich vieles kaufen bei darauf spezialisierten Schneidereien, sei es im Versand oder bei Märkten. Diese sind überhaupt eine dankbare Quelle, auch für die wichtigen Accessoires wie Hörner oder Holzbecher, Ledergürtel oder Schmuck – und natürlich, um Anregungen für die eigene Gewandung zu sammeln.

Nicht mehr als Anregungen sind auch die nun folgenden Abbildungen, die keinerlei Anspruch erheben auf wissenschaftliche Korrektheit noch auf künstlerische Qualität – Sie sollen Ihnen einen Eindruck davon vermitteln, wie es vielleicht ausgesehen haben könnte.


Vor 800


9./10. Jahrhundert

Fränkischer Krieger – Fränkische Dame – Angelsächsischer Recke – Landadelige


12./13. Jahrhundert

Minnesänger – Dame in Sukenie – Reisender Scholar – Herr in Robe – Troubadour – Herr in Waffenrock


14./15. Jahrhundert

Houppelande – Übergewand einer Frouwe – Houppelande – Eng gefälteltes Frouwen-Kleid mit Umhang – Houppelande – Kleid

Heraldische Surcôte (Burgund) – Surcôte mit »Höllenfenstern« (Burgund) – Burgundische Edeldame – Burgundischer Herr (Beinlinge mi-parti) - Burgundisches Edelfräulein – Burgundischer Junker

Einfache Leute

Reisender Kaufmann – Schultheiß – Ratsherr – 2 Mönche – Weiser Mann

Henker 



Die Grafiken verwende ich mit freundlicher Genehmigung von POETA MAGICA.