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Streichinstrumente
Geige/Violine – Fidel – Quinton – Rebec/Rubeba – Rabab – Drehleier – Nyckelharpa |
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Die VIOLINE ist das
Diskantinstrument der Geigenfamilie und wird populär einfach auch
als Geige bezeichnet. Früher bezeichnete
man mit Geige alle Arten der bogengestrichenen Saiteninstrumente, dazu
gehören etwa die Viola da gamba (»Kniegeige«),
die Viola da braccio (»Armgeige«), die Lyra da braccio (»Armgeige«) und die Viola d'amore, eine Altgambe mit
5 bis 7 Spiel- und 5 bis 14 Resonanzsaiten.
Die moderne Geige, das wichtigste Streichinstrument der Neuzeit, geht nach Auffassung vieler ursprünglich auf die Fidel zurück und wurde im 16. Jahrhunderts aus der Viola entwickelt (dazu gibt es aber auch andere Meinungen); in der Mittelaltermusik hat eine Geige eigentlich nichts zu suchen! Die vier Saiten sind auf g – d' – a' – e" gestimmt; die Decke ist traditionell aus Fichten- oder Tannenholz, der Boden aus Ahornholz gefertigt. Die bedeutendsten Geigenbauer waren die italienischen Familien Amati, Guarneri und Stradivari in Cremona. Im ursprünglichen Sinne bezeichnete man übrigens Geige, Fidel, Rebec usw. alle als Laute. |
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Die FIDEL ist neben
dem REBEC das wichtigste mittelalterliche Streichinstrument.
Sie ist seit dem 11. Jahrhundert mit zahlreichen Bezeichnungen und in
verschiedenen Formen (Spaten-, Flaschen- und Birnenform), Größen
und unterschiedlicher Saitenzahl belegt (2 bis 8), möglicherweise
aber schon im 8. oder 9. Jahrhundert verbreitet. Gehalten wird die Fidel
vor der Brust, am Knie, im Schoß oder an der Schulter wie die Geige.
Es gab immer viele verschiedene Formen, im 13. Jahrhundert war eine fünfsaitige
Form häufig mit ovalem, meist eingebuchtetem Körper, Zargen,
geradem, abgesetztem Hals, Griffbrett mit oder ohne Bünden, scheibenförmigem
Wirbelkasten, vorder- oder hinterständigen Wirbeln und zwei Schallschlitzen.
Die Saiten waren meist aus Darm, konnten aber auch aus Pferdehaar oder
Metall wie Bronze oder Goldlegierungen sein.Über die Stimmung ist
wenig Definitives bekannt. Hieronymus de Moravia beschreibt Ende des 13.
Jhdt. mehrere heute schwer spielbare Stimmungen mit teilweise zwei gleichhestimmten
Saiten, bei denen eine als Bordunsaite dient, oder solche, bei denen höhere
Saiten unter tieferen liegen. Heute beliebte Stimmungen sind u. a.: Zur Schreibweise: Bis vor einigen Jahren war die Schreibweise nicht vereinheitlicht: Es finden sich Fidel, Fidel, Viedel und Videl (ähnlich dem italienischen Viella, dem spanischen Vihuela und dem französischen Vièle/Vielle). Inzwischen hat man sich weitgehend auf die Schreibweise »Fidel« für das historische Streichinstrument festgelegt. so auch der Duden: »Die Form die Fidel ohne e ist die Bezeichnung für eine Vorform der Geige, ein der Geige ähnliches Saiteninstrument des Mittelalters, die Fidel mit e ein umgangssprachlicher, leicht abschätziger Ausdruck für die Geige selbst.« Entsprechend abschätzig wird das Verb »fideln« gebraucht: »(scherzh. od. abwertend): [ohne große Kunstfertigkeit, schlecht] auf der Geige spielen: sie fidelt den ganzen Tag; eine bekannte Melodie f.« (Beides: Duden: Richtiges und gutes Deutsch. 5. Auflage, Mannheim 2001). Das englische »Fiddle« wird zwar auch für die Fidel verwendet, bezeichnet in der Regel jedoch die normale moderne Geige oder spezielle Varianten in Jazz-, Country- und Folk-Musik. |
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Das REBEC oder RUBEBA
ist neben der FIDEL das wichtigste mittelalterliche
Streichinstrument und stammt wahrscheinlich von der arabischen RABAB ab, einer seit dem 10. Jahrhundert in Nordafrika und den arabischen Ländern
belegten gestrichenen Spießlaute mit ein bis drei in Quinten oder
Quarten gestimmten Saiten, die mit der Ausbreitung des Islam in West-Europa
(über Byzanz und Spanien) zur REBEC und in Südostasien zur REBAB
entwickelte. (Als RABAB werden
in Nordafrika eine zweisaitige Kurzhalsfidel, in Iran, Süd- und Zentralasien
Langhalslauten und in Afghanistan und Vorderindien keulenförmige Kurzhalslauten
mit bis zu 15 Resonanzsaiten bezeichnet.) Im 13./14. Jahrhundert setzte sich ein einheitlicher Typ durch mit birnenförmigem Corpus, der ohne Absatz in einen sich verjüngenden Hals übergeht, hölzerner Decke (manchmal auch fellbespannt), Griffbrett mit oder ohne Bünden, meist sichelförmigen Wirbeln und zwei bis fünf, in der Regel in Quinten gestimmten Saiten, manchmal auch zusätzlichen Bordunsaiten. im 16./17.Jahrhundert herrschte eine Form ohne Bünde vor, mit 2 oder 3 Saiten im Quintabstand. |
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Die DREHLEIER oder Radleier
(engl. Hurdy Gurdy) ist ein Streichinstrument mit fidel-, gitarren-
oder lautenähnlichem Korpus, dessen Saiten (zwei bis vier in Oktaven
und Quinten gestimmte Bordunsaiten, ein bis drei durch Tangenten-Tasten
bediente Melodiesaiten und eine bis zwei Schnarrsaiten) von einem oberhalb
des Stegs herausragenden Scheibenrad gestrichen werden; die Melodiesaiten
werden mit Hilfe der Tangenten, die durch die Tastatur bedient werden, verkürzt.
Sie ist hervorragend als Begleit- und als Soloinstrument geeignet und kann
durch die Schnarre auch als Rhythmusinstrument dienen. Drehleiern der Renaissance,
Bosch- und Bauernleiern besitzen einen gitarrenähnlichen Korpus (links
oben), während französische Leiern einen lautenähnlichen
Korpus besitzen (links Mitte). Die Drehleier ist spätestens seit dem 10. Jahrhundert bekannt und stand im Mittelalter in hohem Ansehen. Ursprünglich wurde sie von zwei Personen gleichzeitig als großes Organistrum gespielt, die früheste Darstellung findet sich am Portal der Kirche von Santiago de Compostela. Spätestens seit der Mitte des 15. Jahrhunderts hat sie eine Schnarrsaite zum rhythmischen Spiel und wurde immer mehr ein Instrument für das Volk, für weltliche Festlichkeiten und Tanzmusik. Vom Klerus als Teufelsinstrument verdammt, das mit seinem Klang die Menschen zu Unzucht verführe, wurde sie später das Instrument der Blinden und Bettler, erlebte im 18. Jahrhundert in Frankreich im Zuge der Schäfermode eine zweite Blüte in der Kunstmusik (z. B. schrieben Boismortier oder Vivaldi Originalmusik für die Drehleier) und hat sich als Volksinstrument bis heute z. B. in Südfrankreich gehalten.
Die Entwicklung geht immer weiter, Gotschy etwa entwickelte mit der links als zweitunterste abgebildeten ALPHA NOVELLO eine moderne Drehleier mit allen notwendigen Einrichtungen auch für moderne Musik wie Rock oder Jazz. Dazu gehören einzelne piezoelektrische Tonabnehmer für jede Saitengruppe und elektronische Weiterverarbeitung in getrennten Kanälen, 4-Kanal-Vorverstärker unter den Tasten, spezielle Getriebmechaniken, die Möglichkeit für diverse Kapodastersysteme an allen Saiten und vieles mehr. Die letzte Entwicklung, die elektrische Drehleier Sirius (ganz unten), sieht einer mittelalterlichen Drehleier nur noch bedingt ähnlich, bietet dafür aber enorme Möglichkeiten für neue innovative Drehleiermusik. |
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»Als NYCKELHARPA wird allgemein jedes Instrument bezeichnet, das mittels eines Bogens angestrichen
wird, bei dem die Tonhöhe aber durch eine Tastatur – ähnlich
wie bei einer Drehleier – verändert werden
kann. Andere Namen sind Nyckelgiga und Nyckellspel. Michael
Praetorius bezeichnete das Instrument als Schlüssel Fiddel.
Das Wort Nyckel ist Schwedisch und bedeutet Schlüssel. Harpa wird für Seiteninstrumente allgemein, aber besonders für fidelähnliche Instrumente verwendet. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist die Schlüsselfidel kein Teutsches Instrument, auch wenn sie bei Agricola (1528) und bei Praetorius (1620) erwähnt wird. Sie war allerdings in ganz Mitteleuropa verbreitet bis weit ins 17. Jahrhundert, seither findet man sie hauptsächlich in Schweden. Die älteste Abbildung einer Nyckelharpa findet sich auf einem Steinrelief der Källunge Kirka in Gotland, Schweden, datiert auf ca. 1350. Abgebildet wird dort eine Form der Nyckelharpa, die heute als Moraharpa bekannt ist. Die älteste erhaltene Harpa wurde nämlich nach dem Fundort Mora (Mittelschweden) benannt; sie trägt die Zahl 1526 auf der Rückseite. Diese Jahreszahl bezeichnet wahrscheinlich das Jahr einer Reparatur, da die C-14-Analyse dem Holz ein höheres Alter bescheinigt. Von der Nyckelharpa gibt es verschiedene Formen; die Bezeichnung richtet sich nach der Anzahl der Tastaturen und der Resonanzsaiten, die, so vorhanden, den Ton verstärken. Die wichtigsten sind, aufgeführt nach Alter und zugleich Komplexheit: Moraharpa, Esseharpa, Enkelharpa, Kontrabasharpa, Silverbasharpa, Chromatische Nyckelharpa.
Die Kontra- und Silverbasharpa wurden im ausgehenden Mittelalter entwickelt. Sie unterscheiden sich nur in Details und besitzen zwei- oder dreireihige Tastaturen, mehrere Resonanzsaiten und alle möglichen Stimmungen. Sie sind aber nur in bestimmten Tonarten spielbar, da nicht alle Halbtöne auf der Tastatur vorhanden sind. Diese Instrumente erlebten ihre Blütezeit von etwa 1750 bis 1900 und galten im 19. Jahrhundert als Arme-Leute-Instrument, da reiche Leute sich ein Akkordeon leisten konnten, und wurden deshalb auch als Knarverharpa (Knarzfidel) bezeichnet.
Holger E. Funke, Manesse-Instrumenta (Auszug aus einem Artikel in der Zeitschrift »Karfunkel«, Nr. 7, 1995) Mit freundlicher Genehmigung des Autors:
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