Zupfinstrumente

Zupfinstrumente gehören wie die Streichinstrumente zu den CHORDOPHONEN, Instrumenten, bei denen der Klang durch die Schwingung von Saiten hervorgebracht wird.

DAS Zupfinstrument der Gegenwart ist die sechs- oder zwölfsaitige Gitarre, die moderne Variante einer Laute. Mit Stahlsaiten spielt sie bei Rock und Pop, in Jazz und Country-Music eine wesentliche Rolle und ist bei Liedermachern und in der Folkmusik das zentrale Instrument, sie hat, mit Nylonsaiten, als Flamenco- und als Konzertgitarre aber auch die Konzertsäle erobert.

In der Mittelaltermusik und Renaissancemusik hingegen sind andere Instrumente gefragt.

LauteUdPipaBiwaScheitholt/-holzDulcimer

KanteleHackbrettCimbalonPsalteriumHarfeSpinett

Maultrommel/Brummeisen

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Laute, Worms, Halloween 2009 



 
LAUTE, auch LUTE, ist ein Oberbegriff für alle »aus einem Saitenträger (Hals) und einem Resonanzkörper zusammengesetzten Saiteninstrumente, bei denen die Saitenebene parallel zur Decke des Resonators liegt« (Brockhaus; wenn die Ebene senkrecht liegt, handelt es sich um eine Harfe).
Es gibt Bogen- oder Joch-Lauten, zu denen etwa die griechische Lyra oder Kythara zählen, und Stiel-Lauten, bei denen der Saitenträger entweder als einfacher Stiel durch den Körper gesteckt ist wie bei der arabischen Rabab oder als Hals angesetzt ist. 

Zu solchen Hals-Lauten gehören auch Streichinstrumente wie etwa die Violine oder die Fidel

Man unterscheidet die Lauten u.a. nach der Form des Korpus - Schalenhals-Lauten etwa sind Mandoline oder Mandola, Kastenhals-Lauten Violine oder Gitarre – und nach dem Verhältnis von Corpus und Halslänge: Kurzhalslauten sind die arabische Ud und die chinesische Pipa, Langhalslauten sind die russische Balaleika oder die venezianische Knickhalslaute (Bild ganz oben). 

Die ersten Langhalslauten sind seit dem 3. Jahrtausend vor Christus in Mesopotamien nachweisbar und seit etwa 1600 v.Chr. in Ägypten, dort mit meist zwei Saiten, die mit einem Plektron gezupft wurden, einem kleinen runden oder mandelförmigen Resonanzkörper und einem wirbellosen Hals mit Bünden. Die vermutlich aus Asien stammende Kurzhalslaute ist erstmals um 1300 v. Chr. in Ägytpten nachgewiesen. 

Die europäische Laute entwickelte sich im 13./14. Jahrhundert aus dem arabischen UD. Sie hatte zunächst 4 Saiten in Quartstimmung, ab dem 16. Jahrhundert 6 Saiten in A-d-g-h-e'-a'. Um 1640 verbreitete sich die als »nouveau accord« bezeichnete Stimmung A-d-f-a-d'-f', und Lauten mit 8 bis 11 Saiten oder sogar Saitenchören sowie zusätzlichen Bordun-Saiten häufiger. Dies war die Blütezeit der Laute, deren Bedeutung etwa der der Klavierinstrumente im 19. Jahrhundert gleichkam. 

Die moderne Laute ist ein Zwitterinstrument (»Lauten-Gitarre«) mit Lautenkorpus, Gitarrengriffbrett, 14 Bünden und sechs einfachen Saiten mit Gitarrenstimmung E-A-d-g-h-e'. 

Es gibt ausgesprochen hochentwickelte Abarten der Lauten wie etwa die als unterstes Instrument abgebildete indische Sitar, die man manchmal, obwohl sie ein modernes Instrument ist, sogar in der Folk- und Mittelaltermusik erlebt.

 

Der UD (al'ud) ist bis heute das bedeutendste Instrument der arabischen Welt und der Vorläufer der europäischen Laute. Laut einem Bericht von Halid ibn al-Harit von etwa 700 haben die Araber um 600 die iranische Laute (ud) übernommen: Al-Nadr ibn al-Harit (gest. 624) habe sie in Hira kennen- und spielengelernt und dann in Mekka eingeführt. 
Es gibt den Ud in verschiedenen Varianten; das abgebildete Exemplar aus Marokko mit 5 Doppelsaiten kann heute als typisch gelten. 

 


Die PIPA ist bis heute ein Hauptinstrument der gehobenen chinesischen Musik. Die birnenförmige Laute stammt aus Zentralasien und gelangte  vor oder während der Wei-Dynastie (386-534) nach China, später auch nach Korea und, als BIWA, nach Japan. 
Die vier Saiten aus gedrehter Saite wurden bis ins 7. Jahrhundert mit einem Plektrum, heute mit den Fingern angerissen. Der Name kommt von der Schlagtechnik der rechten Hand: PI (hin, nach links), PA (zurück, nach rechts). 

 

Das SCHEITHOLT oder SCHEITHOLZ (auch Hummel genannt, frz. Epinette des Vosges) ist ein einfaches, leicht zu spielendes und seit dem späten Mittelalter nachgewiesenes Zupfinstrument aus der Famile der Zithern, von dem viele moderne Zithern abstammen. Auf einem rechteckigen Holzkörper sitzen Melodiesaiten, die durch Hölzchen verkürzt werden, sowie Bordunsaiten. Die Saiten werden gestimmt im Quint- und Oktavabstand und gezupft oder mit einem Stäbchen geschlagen. Es gilt als Weiterentwicklung des aus der Antike einseitigen Monochords, Scheitholt/-holz genannt wegen der Ähnlichkeit mit (oder der Entstehung aus?) in Scheiten geschlagenem Brennholz.

Eine moderne Abart des Scheitholzes ist der in der Folkmusik beliebte (Appalachian oder auch Mountain) DULCIMER (Bild; eigentlich bedeutet das englische Wort dulcimer »Hackbrett«). Diese Bordun– Zither wird besonders in der Volksmusik im US-Bundesstaat Kentucky verwendet und ist seit dem frühen 18. Jahrhundert nachgewiesen: Sie hat 3 bis 5, manchmal bis zu 8 Saiten, von denen in der Regel die erste als Melodiesaite dient und mit den Fingern verkürzt wird; man kann auch einfache Akkorde greifen. Die Saiten haben Bünde und werden gezupft oder gestrichen, mit Plektrum oder einer Feder, einzeln (Finger Picking) oder alle gleichzeitig. Viele Instrumente sind nur diatonisch; manche habe auch Halbtöne, so dass man mehr als eine Tonart spielen kann. Die mittlere Saite wird in der Regel auf die Quinte zum Grundton gestimmt, also eine Quinte höher als die Bass-Saite. Die Stimmung der Melodiesaite wird der Tonart und damit der Melodie angepasst. Gängige Stimmungen sind sind D-A-A, D-A-a, D-A-d, D-A-c und D-A-G.

An dieser Stelle kurz Allgemeines zu Zithern:
Die Saiten sind entweder nur über einen Saitenträger oder zusätzlich über einen Resonanzkörper gespannt, wobei Resonanzkörper und Tonerzeuger unabhängig voneinander konstruiert sind. Nach dieser Definition gehören auch das Psalterium und das Hackbrett zu den Zittern.
Unterschieden werden die Zittern nach ihrer Bauart; es gibt u. a. Stabzithern, Röhrenzithern, Brettzithern. Neben der heute verbreiteten Konzertzither mit kastenförmigem, an der Seite ausgebuchtetem Korpus sind besonders in der abendländischen Volksmusik zwei Zithern beliebt mit flachem Resonanzkörper, runden Schall-Loch, fünf Melodiesaiten aus Metall und 42 Begleitsaiten, meist aus Darm oder Nylon: die Salzburger Zither (am Griffbrett gerade und an der gegenüberliegenden Seite ausgebuchtet) und die Mittenwalder Zither (auf beiden Seiten des Korpus ausgebuchtet). Die Melodiesaiten sind meist auf a' – a' – d' – g – c gestimmt; die Stimmung der Begleitsaiten variiert. Solche Zithern stammen wie auch das Appalachian Dulcimer vom Scheitholz ab.
Es gibt auch Streichzithern, die mit einem Bogen gestrichen werden, und in weiten Teilen der Welt eigene Varianten, vom afrikanischen Rohr- und Trogzithern über die aus einem massiven Balken mit Flaschenkürbissen als Resonanzkörper an beiden Enden bestehende nordindische Bin bis chinesischen und japanischen Instrumenten wie der Kin, dem Zheng und der Koto.


Während bei den bisher vorgestellten Instrumenten die Veränderung der Tonhöhe zwar auch über unterschiedliche Saiten erfolgen kann, stets aber auch über eine Verkürzung der Saiten reguiliert wird, ist  dies bei den folgenden Instrumenten nicht der Fall. 
Die aus dem Baltikum stammende KANTELE, das finnische Nationalinstrument, ist eine Zither mit 5 bis 30 Saiten, die mit den Fingern der rechten Hand gezupft werden, während die linke Hand die anderen Saiten vom Vibrieren abhält. Manche sehen darin eine nordische Weiterentwicklung der Psalteriums.


 

 

Was zur Tonhöhe bei der Kantele gesagt wurde, gilt auch für die verschiedenen Formen des HACKBRETTs (engl. Hammer Dulcimer oder einfach Dulcimer, franz. Tympanon, Bilder links). 
Es handelt sich um trapezförmiges, tragbares Zither-Instrument, dessen zahlreiche (meist um die 25) Saitenchöre aus in der Regel vier Metallsaiten mit Hämmerchen bzw. Klöppeln angeschlagen werden. Das europäische Hackbrett ist seit dem 15. Jahrhundert nachgewiesen; über eine Abstammung vom vorderorientalischen Santur gibt es nur Spekulationen. Seit dem 16. Jahrhundert gilt das Hackbrett, mit Ausnahme des Pantaleons, als Volksinstrument und ist vor allem im Alpen- und im angelsächsischen Raum weit verbreitet. 

Um 1700 entwickelte der Musiker Pantaleon Hebenstreit (1667-1750) eine vergrößerte Abart des Hackbretts, das Pantaleon oder Pantalon. Das Instrument mit 185 doppelten Saitenchören und zwei Resonanzböden war bis etwa 1750 Modeinstrument der aristokratischen Gesellschaft. 

Als meist vierbeiniges CIMBALON oder CZIMBAL ist das Hackbrett neben der Geige das charakteristische Instrument ungarischer Zigeunerkapellen; die moderne Form, entwickelt im späten 19. Jahrhundert, hat 35 Saitenchöre im Umfang von D bis e''' oder auch von G bis g''' und meist eine Pedaldämpfung. Die tiefen Saiten sind übersponnen und zwei- bis dreifach pro Ton, die anderen aus Draht und vier- bis fünffach. Unten sieht man ein Instrument von Holger E. Funke (Manesse-Instrumenta), das aus der Mitte des 20. Jahrhunderts aus Ungarn stammt-

Seit dem 9. Jahrhundert ist in Europa das aus dem Nahen Osten stammende PSALTERIUM belegt, eine Kastenzither ähnlich dem Hackbrett, deren Saiten mit den Fingern oder einem Plektron gezupft wurden. Ab dem Hochmittelalter wurden die Instrumente immer mehr als eines betrachtet. Aus einer Abart, dem in Nordeuropa verbreiteten »halben Schweinskopf« in Flügelform, hat sich vermutlich das Cembalo entwickelt.Der Name stammt von dem altgriechischen Wort psalterion, das die Harfe oder allgemein ein Saiteninstrument bezeichnete (von psallein: mit den Fingern zupfen). Manche sehen in der KANTELE eine nordische Weiterentwicklung des Psalteriums.


Tolkientag Geldern 2014

Böhmische und Reise-Harfe der Klangwerkstatt zur Tonhöhe bei der Kantele gesagt wurde, gilt auch für die HARFE. Als solche bezeichnet man ein Zupfinstrument, dessen Saitenebene senkrecht zur Decke des Resonanzkörpers verläuft. (Die griechische Lyra oder Kythara zählen, obwohl sie ähnlich aussehen, da die Saitenebene parallel läuft, zu den Lauten!) 
Sechssaitige Bogenharfen (Hals und Schallkörper bilden einen Bogen) sind seit etwa 2700 v.Chr. in Ägypten nachgewiesen, Winkelharfen (Hals und Schallkörper stehen im Winkel zusammen) seit etwa 1550 v. Chr. mit bis zu 14 Saiten. 

Als Rahmenharfe (mit Vorderstange) taucht die Harfe um 800 auf den britischen Inseln auf und um 1000 auf dem europäischen Festland, jetzt mit 7 bis 25 Saiten. Bis zum 16. Jahrhundert waren die Saiten diatonisch gestimmt, ab dann gab es chromatische Anordnungen. Ab dem 17. Jahrhundert wurde ein schnelles Umstimmen durch Haken, ab 1720 durch Pedale möglich.

links gotische Harfe beim Tolkientag Mai 2015 in Geldern, rechts  romanische Harfe beim Tolkientag Hannover im Oktober 2015 Die moderne Konzertharfe (Doppelpedal-Harfe, seit 1811) hat mit 46 bis 48 Saiten und fast 7 Oktaven (CES bis gis'''') einen dem Klavier vergleichbaren Tonumfang. Auf Ces-Dur gestimmt, ermöglichen zwei Pedalreihen eine Umstimmung um einen halben oder ganzen Ton und erschließen so das ganze chromatische Spektrum.

Seit dem Mittelalter gilt die Harfe als Zeichen von David und Orpheus, sie ist im irischen Landeswappen vertreten und auch heute noch als Volksinstrument (Tirol, Südamerika) und in der Folkmusik verbreitet.

In unserem Ensemble ist von Anfang an immer wieder mal eine Harfe dabei, bspw. bei der Uraufführung des Programmes »Blut und Minne« 2003. Seit 2014 spielt Friedhelm Schneidewind auf einer böhmischen Hakenharfe oder einer Reiseharfe (s. Bild links, Tolkientag Geldern im Juni 2014); rechts ist Daniela Osietzki alias Erlentochter zu sehen mit ihrer Harfe HOBBIT bei einem 1001-Nacht-Dinner 2013; sie bildet mit Friedhelm Schneidewind das Duo BARDENSANG UND ZAUBERKLANG (mehr Fotos der Harfen im Einsatz s. dort).

Im Ensemble kommen drei weitere Harfen zum Einsatz: eine romanische (Mittelalter-)Harfe, gebaut von Norbert Maier (elvenkings-harp), und zwei gotische (Mittelalter-)Harfen: links auf dem Bild mit den beiden Harfen die letzte, die der 2016 verstorbene Winfried (Winni) Goerge noch baute, ganz rechts unten eine Memling-Harfe von Eric Harps beim Tolkien Thing der Deutschen Tolkien Gesellschaft am 22. Juli 2017.

Orientdinner 2013

Friedhelm Schneidewind singt und begleitet sich auf der Memling-Harfe beim  Tolkien Thing am 22.7.2017.


Unser Spinett, ein Neupert von 1986 

Das Spinett, wie wir es z. B. bei unseren Tolkien-Programmen einsetzen, ist ein dem Cembalo (englisch harpsichord, französisch clavecin) verwandtes Tasteninstrument mit Zupfmechanik; solche Instrumente wurden im 14.Jahrhundert entwickelt. Wie die verwandten Virginal und Claviciterium sind das Cembalo und das Spinett Kielinstrumente: Tasteninstrumente, bei denen die Saiten mit Hilfe von mechanisch bewegten Federkielen, heute oft aus Kunststoff, angerissen werden. Während beim Cembalo die Saiten senkrecht zur Tastatur stehen, sind sie beim Virginal und beim Spinett parallel bzw. schräg dazu angeordnet. 
Das Cembalo gibt es ziemlich umfangreich ausgebaut, manchmal mit mehreren Registern (Vierfuß: eine Oktav über Normal; Achtfuß: normalhoch; Sechzehnfuß; eine Oktav tiefer als normal), mit bis zu fünf Oktaven und oft zwei Manualen.

Unser Spinett (siehe Bild) ist relativ typisch mit Acht- und Vierfußregister und einem Umfang von viereinhalb Oktaven.

Die MAULTROMMEL (BRUMMEISEN) ist eigentlich kein Zupfinstrument, zumindest hat sie keine Saiten. Gezupft wird allerdings auch – der Stahlbügel, der aus dem Mund ragt, während die Mundhöhle als Resonanzraum und zur Tonhöhenveränderung dient. 
Als Zupfidiophon (Idiophone sind Instrumente, bei denen der Instrumentenkörper selbst den Klang erzeugt, etwa Becken oder Schellen) kann man die Maultrommel durchaus also auch den Zupfinstrumenten zuordnen. 

Belegt ist dieses Hirteninstrument, das wohl aus Asien stammt, in Europa seit dem 14. Jahrhundert; es wird heute noch gerne verwandt in der Folk- und der alpenländischen Volksmusik. 
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